Gartenreportage {Sissinghurst im Frühling}

Sissinghurst 05

Sissinghurst – wer eine gartenbegeisterte, englandliebende Sissinghurst-Expertin zur Tante hat, lässt sich diesen Namen langsam wie ein köstliche Delikatesse im Mund zergehen. S  i  s  s  i  n  g  h  u  r  s  t. Einer der bekanntesten Gärten der Welt. In unzähligen Büchern gelobt, im Detail beschrieben und analysiert. Tausendfach, wahrscheinlich ohne Übertreibung millionenfach fotografiert und selbst an einem Wochentag im Frühling gefüllt mit Besuchern aus der ganzen Welt. Aus Kanada, Japan, den USA, Frankreich und den Niederlanden kamen allein die Besucher, mit denen ich mich kurz unterhalten habe. Und eine Dame aus dem Nachbardorf, aber die schien mehr an dem BBC Gardeners Question Time Film-Team interessiert zu sein als an seltenen Schachbrettblumensorten.

Einen Garten, oder überhaupt etwas zu besuchen, an das man schon im Vorfeld so hohe Erwartungen hat, ist immer schwierig. Werde ich trotzdem überwältigt sein, oder enttäuscht, weil die klassischen Bilder zu einer anderen Jahreszeit aufgenommen wurden? Hält die Wirklichkeit meiner Erwartung stand? Das beschäftigte mich vor “dem großen Tag”. Mein erster Besuch in Sissinghurst. Nein und ja. Ich war nicht überwältigt, aber angenehm überrascht. Nichts war so, wie ich es aus den Büchern kannte, es war besser. Frischer, lebendiger, unperfekter und echter. Ich hatte erwartet von einer strengen Perfektion förmlich erschlagen und eingeschüchtert zu sein. Stattdessen fühlte ich mich willkommen in einem Paradies voller Leichtigkeit, einem Werk im Entstehen. Mir war klar, ich war in einen Arbeitstag hineingeschneit. Nichts war fertig. An einer Stelle wurde der Rasen in feine Linien gemäht, ein ganzes Team schnitt an anderer Stelle eine berühmte Rankhecke über einer Steinmauer rigoros zurück. Bereiche, die noch nicht in Blüte standen, wie zum Beispiel der Rosengarten, hatten noch Buchshecken mit Winterfell und im legendären “Spring Walk” waren die meisten Frühblüher schon an der Grenze zum Verblühen. Der Weiße Garten war perfekt gepflegt und aufs Feinste herausgeputzt und doch hatten viele Beete Lücken. “Der Garten braucht eine Verschnaufpause und ist in einem Prozess der Erneuerung”, erklärt mir eine der ehrenamtlichen Betreuerinnen. “Jahrelang musste alles perfekt sein, die Beete wurden immer überfüllter und die Pflanzen überalterten. Es durfte keine Lücke, keine Pause entstehen. Unser neuer Headgardener sieht das anders. Wir wollen uns wieder ein wenig mehr an der Natur um uns herum orientieren. Der Garten soll natürlicher und lebendiger wirken. Einiges haben wir komplett neu angelegt, anderes nur verjüngt oder ausgedünnt. Vita (Sackville-West) and Harold (Nicolson) haben diesen Garten als Garten erschaffen, nicht als Museumsstück. Er soll ein Ort der Erholung und Inspiration sein, nicht der Strenge.”

Diese Worte hallten mir noch nach, als ich nachmittags zufrieden mit meinem Tee und einem Brownie (glutenfrei!) im National Trust Tea Shop saß. Projekt geglückt würde ich sagen. Well done Sissinghurst! I’ll be back soon.Sissinghurst 01Sissinghurst 02Sissinghurst 03Sissinghurst 04Sissinghurst 04bSissinghurst 05Sissinghurst 06Sissinghurst 07Sissinghurst 08Sissinghurst 09Sissinghurst 10Sissinghurst 11Sissinghurst 12Sissinghurst 14Sissinghurst 15Sissinghurst 16Sissinghurst 17Sissinghurst 18Sissinghurst 19Sissinghurst 20Sissinghurst 21Sissinghurst 22Sissinghurst 22aSissinghurst 22bSissinghurst 22cSissinghurst 22dSissinghurst 23Sissinghurst 24Sissinghurst 25Sissinghurst 26Sissinghurst 27Sissinghurst 28Sissinghurst 29Sissinghurst 30Sissinghurst 30bSissinghurst 31Sissinghurst 32Sissinghurst 33Sissinghurst 34Sissinghurst 35Sissinghurst 36Sissinghurst 37Sissinghurst 38Sissinghurst 39Sissinghurst 39bSissinghurst 40Sissinghurst 41Sissinghurst 41bSissinghurst 42Sissinghurst 43Sissinghurst 44Sissinghurst 45Sissinghurst 46Sissinghurst 47Sissinghurst 48Sissinghurst 49Sissinghurst 50