Japanische Keramik in Cismar {Reportagefotografie}

Japanische Keramik in Cismar Jan Kollwitz 00

72 Stunden Japan.
Wenn man die Krüge, Becher und Schalen aus Jan Kollwitz’ Japanischem Anagama Brennofen betrachtet, scheinen sie eine innere Ruhe auszustrahlen. Eine gewisse Überlegenheit und Weisheit, die aus ältester Zeit herzurüren scheint. Vielleicht ist es die uralte Tradition, die hinter der Brennkunst steckt, oder die Reinheit eines Gegenstandes, der 4 Tage lang bei 1300 °C einen Veränderungsprozess durchschritten hat. Die Tongefäße werden von Hand gefertigt und nach zwei Wochen Trocknungszeit unglasiert gebrannt. Die Glasur entsteht durch Flugasche im Ofen, die mit dem Ton verschmilzt. Die unterschiedlichen Farben und Verläufe enstehen durch unterschiedliche Temperaturbereiche im Brennofen. Es gibt Schattierungen von Blau bis tief Orange und der geübte Künstler nutzt dieses Wissen um die Gestaltung seiner Werke zu beeinflussen.

Während der 4 tägigen Brennphase muss etwa alle 3 Minuten neues Holz nachgelegt werden. Wie in einem Ritual entfaltet sich ein dem Prozess eigener Rhythmus. Jan Kollwitz streift sich feste Handschuhe über, nimmt Holz von einem Stapel und öffnet die Ofentür. Ein Feuerschwall umgibt Ihn während er routiniert einige Holzscheite in den gefräßig wirkenden Ofenschlund wirft. Es sprühen Funken und die Zeit scheint auf Zeitlupe heruntergefahren worden zu sein. Die Flammen beruhigen sich ein wenig und der Blick in den Ofen wird kurz frei. Es raubt mir den Atem. Die Gefäße, aufgereiht und gestapelt, glühen in hellem Orange, wie Lava. Es ist, als würde man einen kleinen Blick in das Erdinnere wagen. Die Hitze brennt auf der Haut und schon versperren die neu aufschlagenden Flammen mir den Blick. Die Ofentür fällt zu. Der Keramiker kontroliert die Temperatur, überprüft den Verlauf seiner Temperaturkurve und hat Zeit für einen erfrischenden Schluck Tee aus einem Anagama Becher aus einer früheren Brennung. Ich beginne nun auch meine Umgebung wieder wahrzunehmen. Trotz der Hitze des Ofens ist draußen ein frischer Frühlingstag. Ein paar Vögel zwitschern und mein Blick schweift in der offenen Brennhütte herum. Der Ofen raucht überall aus kleinen Ritzen an der Seite und überall liegt Holz. Wir sind umgeben von Holz. Als ich in Anbetracht der Temperatur des Ofens und der Holzmenge den kleinen Feuerlöscher an anderen Ende der Hütte entdecke muss ich fast lachen. Dach Ofendach ist uneben und hat einige speziell eingebaute Öffnungen aus denen helle Flammen herausschlagen und gelegentlich dicker schwarzer Rauch. Am hinteren Ende sind 3 kleine Schälchen gefüllt mit Reis und anderen Ofergaben auf einem Ziegelstein aufgereiht. Ein Zeichen der spirituellen Ebene der Anagama Brennkunst. Der Raum ist trotz der zu allen Seiten offenen Wände mit feinem, weißen Rauch gefüllt, und Licht das durch Löcher im Dach hereinströmt malt helle, blaue Linien in die Luft. Ein Blick auf den Schornstein verrät Jan Kollwitz, das es Zeit ist neues Holz nachzulegen. Wenn der Schornstein nicht mehr raucht braucht der Ofen Holz. Das Ritual geht weiter. Tag und Nacht. Der Künstler wechselt sich mit einem Freund ab. Sie feuern in Schichten.

Ich verlasse die Ofenhütte und schaue mich ein wenig in der Ausstellung um. Auch hier ist es wunderbar still. Jedes Stück ist anders. Das Licht spiegelt sich in den glänzenden Oberflächen und die Farbverläufe sind so lebendig, das man meint sie erzählten eine Geschichte. Vielleicht die Geschichte von dem, der durch das Feuer ging.

http://www.jankollwitz.de

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