Bizarre Eiswelt im Blumentopf {Naturfotografie in Schleswig-Holstein}

Eis“Oh, Mama – guck mal wie schön! Eine Eiswelt ist in unserem Blumentopf gewachsen. Fotografierst du mir das? …. Schnell!!!!! Es schmilzt schon!”
Manchmal glaube ich Kinder sehen in “makro”! Die Fähigkeit kleinste Kleinigkeiten wahrzunehmen und mit Ruhe und Ausdauer zu betrachten, darin zu versinken, sich in eine Geschichte hineinzuträumen, in eine andere Dimension, scheinbar ohne Zeit, ohne Grenzen, nur gefüllt mit Farbe, Emotion und Erlebnis. Und das alles in den 30 Sekunden zwischen dem Mit-dem-Turnbeutel-aus-dem-Haus-kommen und Von-Freunden-abgeholt-werden zur Kung Fu-Stunde…… Unfassbar! Eigentlich war mir nicht danach, irgendetwas zu fotografieren. Ich war zwischen 2 Waschmaschinen, drei Hochzeitsanfragen, der halbausgeräumten Spülmaschine und der Steuererklärung eigentlich nur kurz aus meinem Büro hervorgekommen um kurz tschüß zu sagen. Macht man halt so als gute Mutter. Und dann wollte ich mich meinem schönen Stress wieder ganz hingeben und mich meiner Künstlerblockade widmen. Und jetzt das! Ich musste mich wirklich zwingen die Kamera aus dem Schrank zu holen und anzufangen. Ein, zwei Bilder, dann klingelte das Telefon. Schuhe aus. Jacke aus…. “Ja, Oma… mmhmmm…. ja…… du auch….” Schuhe an. Jacke an. Mütze, Schal.
Frische Luft.
Plötzlich fiel mir auf, dass es ein wenig nach Frühling roch.
Da waren Vögelchen, die zwitscherten und eifrig nach Nahrung suchten und ein Eichhörnchen das über den Zaun huschte. Ich hückelte mich vor den Blumentopf und schaute auf das kleine Stückchen Eis. Die Kristalle waren so fein, dass man sie mit dem bloßen Auge kaum richtig sehen konnte. Langsam und vorsichtig setzte ich also mein 100mm Makro an und ließ mich hineinziehen in diese kleine Welt der Wunder. Alles glitzerte und funkelte in den wunderbarsten Regenbogenfarben. Riesige scharfkantige Formen wechselten sich mit bizarren Spiegelungen und verschwommenen Linien ab. Jede kleinste Bewegung eröffnete eine neue Ansicht, eine neue Welt. Farben. Formen. Licht. Ich weiß nicht, wie lange ich dort gesessen habe. Aber als ich wieder in dieser Welt ankam, war ich ein anderer Mensch. Mein Atem war ruhig, meine Seele kribbelte noch vom Wohlgefühl meines kleinen Ausflugs und ich fühlte mich erfrischt. Meine Sorgen schienen eine Erinnerung aus längst vergangenen Zeiten zu sein und ich hatte Lust auf eine Tasse Tee. Eine schöne englische. Mit Milch. Und Keks!
Eins habe ich gelernt: wenn ich das nächste Mal ein Kind aus einem “Moment” herausholen muss, werde ich es sehr, sehr behutsam tun.
Es sammelt Schätze, die ich kaum in der Lage bin zu begreifen! 

f a c e b o o k